Der österreichische Immobilienmarkt hat im ersten Halbjahr 2026 deutlich mehr Abschlüsse gesehen als im Vorjahr. Die Grundbuchdaten zeigen ein klares Plus, die Preise ziehen wieder an, und gleichzeitig halten sich institutionelle Investoren zurück. Für Maklerbüros heißt das: Der Markt wird stärker von privaten Käufern und Verkäufern getragen.
Wir fassen die wichtigsten Zahlen zusammen und zeigen, welche Schlüsse Sie daraus für die Akquise von Objekten und den Umgang mit Interessenten ziehen können.
Transaktionen: Rund ein Fünftel mehr Verbücherungen
Laut der Halbjahresanalyse von IMMOunited, die auf Grundbuchdaten beruht, wurden im ersten Halbjahr 2026 rund 65.290 Immobilientransaktionen verbüchert. Im ersten Halbjahr 2025 waren es 54.903. Das entspricht einem Plus von rund 19 Prozent.
Noch stärker fiel der Anstieg bei Wohnimmobilien aus: Hier stieg die Zahl von 31.351 auf 38.683 Transaktionen, ein Plus von 23,39 Prozent. Zugelegt haben alle neun Bundesländer, am stärksten die Steiermark (+33,98 %) und Vorarlberg (+33,80 %), am schwächsten Wien (+15,12 %).
| Wohnimmobilien-Transaktionen | 1. HJ 2025 | 1. HJ 2026 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Steiermark | 4.932 | 6.608 | +33,98 % |
| Niederösterreich | 6.056 | 7.487 | +23,63 % |
| Wien | 6.885 | 7.926 | +15,12 % |
| Österreich gesamt | 31.351 | 38.683 | +23,39 % |
Auffällig ist der Juni: Er lag laut IMMOunited knapp 40 Prozent über dem Vorjahresmonat, nachdem der Mai noch rund acht Prozent im Minus war. Ein naheliegender Grund ist das Ende der befristeten Befreiung von der Grundbuch- und Pfandrechtseintragungsgebühr (§§ 25a ff. GGG). Begünstigt waren Grundbuchanträge, die bis 30. Juni 2026 beim Grundbuchsgericht einlangten. Viele Käufer von Eigenheimen dürften ihre Anträge daher noch vor diesem Stichtag eingebracht haben. Ein Teil des Halbjahresplus ist also vorgezogene Nachfrage, die im zweiten Halbjahr fehlen kann.
Preise: Wieder deutlich nach oben
Mehrere unabhängige Datenquellen zeigen steigende Preise, wenn auch mit unterschiedlicher Methodik:
- Statistik Austria (Häuserpreisindex): Die Kaufpreise für Häuser und Wohnungen stiegen im ersten Halbjahr 2026 um 3,9 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Im zweiten Quartal betrug das Plus 5,1 Prozent, der Index erreichte einen neuen Höchststand. Bestehender Wohnraum verteuerte sich zuletzt etwas stärker als Neubau.
- OeNB-Wohnimmobilienpreisindex: Im zweiten Quartal 2026 lagen die Preise österreichweit um 3,6 Prozent über dem Vorjahresquartal, in Wien um 2,9 Prozent und in Österreich ohne Wien um 4,2 Prozent.
- ImmoScout24 (Angebotspreise, Median): Eigentumswohnungen wurden im ersten Halbjahr 2026 um durchschnittlich 6.248 Euro pro Quadratmeter angeboten (+5 %), Häuser um 4.187 Euro (+4 %). Gleichzeitig waren rund zehn Prozent mehr Wohnungen inseriert als im Vorjahr.
Wichtig für die Einordnung: Statistik Austria und OeNB messen tatsächliche Transaktionen, ImmoScout24 misst Angebotspreise. Steigende Angebotspreise bei gleichzeitig größerem Angebot bedeuten nicht automatisch, dass jeder Verkäufer seinen Wunschpreis erzielt.
Institutionelle Investoren bleiben vorsichtig
Ganz anders sieht es bei großen Investments aus. CBRE beziffert das gewerbliche Investmentvolumen in Österreich im ersten Halbjahr 2026 mit rund einer Milliarde Euro, um 31 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Bei Wohnimmobilien lag das Investmentvolumen laut CBRE sogar rund 80 Prozent unter dem Vorjahr. Als Gründe nennt CBRE unter anderem, dass Renditeerwartungen und Preisvorstellungen bei Wohnobjekten nicht zusammenpassen, sowie geopolitische Unsicherheit.
Für Maklerbüros, die überwiegend Eigentumswohnungen, Häuser und Grundstücke an Private vermitteln, ist das eine wichtige Unterscheidung: Das aktuelle Wachstum kommt aus dem privaten Segment, nicht aus großen Paketverkäufen.
Was das für Akquise und Vermarktung bedeutet
Mehr private Käufer, die genauer vergleichen
Private Käufer finanzieren meist mit Kredit und vergleichen Objekte sorgfältig. Wer mehr Angebote sieht, vergleicht stärker. Vollständige Exposés mit Grundriss, Betriebskosten, Rücklage, Energiekennzahlen und Angaben zum Zustand sparen Rückfragen und filtern unpassende Interessenten früh heraus.
Energieeffizienz und Zustand rücken nach vorne
Die Kennzahlen aus dem Energieausweis sind nach dem EAVG 2012 ohnehin in Inseraten anzugeben, seit der Novelle mit 1. Juli 2026 Heizwärmebedarf, Endenergiebedarf und Gesamtenergieeffizienzklasse; bei älteren, noch gültigen Ausweisen weiterhin HWB und fGEE. Darüber hinaus fragen Käufer und finanzierende Banken zunehmend nach Sanierungsbedarf, Heizungsart und anstehenden Erhaltungsarbeiten. Je früher Sie diese Informationen beim Abgeber einholen, desto weniger Überraschungen gibt es in der Verhandlung.
Abgeber aktiv ansprechen
Steigende Transaktionszahlen bedeuten auch mehr Wettbewerb um Objekte. Eigentümer, die in den vergangenen zwei Jahren wegen fallender Preise abgewartet haben, sehen nun wieder Bewegung im Markt. Das ist ein guter Anlass, frühere Kontakte, Bewertungsanfragen und Absagen erneut aufzugreifen.
Realistisch bewerten
Die Preissteigerungen sind deutlich, aber regional sehr unterschiedlich. Eine Bewertung, die sich an aktuellen Verkaufspreisen aus der Region orientiert und nicht an Angebotspreisen, schützt vor langen Vermarktungszeiten und späteren Preisreduktionen, die Interessenten sofort bemerken.
Schnell reagieren
Wenn mehr Käufer aktiv sind, entscheidet die Reaktionszeit oft darüber, wer ein Objekt besichtigt und wer nicht. Eine Anfrage, die erst nach Tagen beantwortet wird, ist häufig schon bei einem anderen Anbieter gelandet.
Checkliste für Ihr Maklerbüro
- Bestandskontakte mit früheren Verkaufsabsichten oder Bewertungsanfragen gezielt wieder anrufen.
- Für jedes neue Objekt Energieausweis, Betriebskostenabrechnung, Rücklagenstand und Protokolle der letzten Eigentümerversammlung vor Vermarktungsbeginn anfordern.
- Bewertungen mit regionalen Vergleichswerten aus Verkäufen begründen und dem Eigentümer schriftlich mitgeben.
- Für Portalanfragen eine feste Reaktionszeit im Team vereinbaren, etwa am selben Werktag.
- Suchprofile von Interessenten pflegen und neue Objekte zuerst an passende Vormerkkunden schicken.
- Vorzieheffekte aus dem Juni im Blick behalten: Ein ruhigeres zweites Halbjahr ist möglich und sollte in die Planung einfließen.
Wie eine Maklersoftware dabei unterstützt
Viele dieser Punkte sind Organisationsfragen. Eine Maklersoftware wie ImmoZ bündelt Kontakte, Objekte und Interessenten an einem Ort: Wiedervorlagen erinnern an Abgeber, die Sie erneut ansprechen wollen, Suchprofile ermöglichen den raschen Abgleich neuer Objekte mit vorgemerkten Interessenten, und über Portalschnittstellen landen Anfragen direkt beim zuständigen Mitarbeiter. Exposé-Felder für Energiekennzahlen, Betriebskosten und Zustand sorgen dafür, dass die Angaben vollständig und einheitlich in allen Inseraten erscheinen.
Fazit
Das erste Halbjahr 2026 brachte rund 19 Prozent mehr Verbücherungen und bei Wohnimmobilien sogar ein Plus von über 23 Prozent, getragen von privaten Käufern. Die Preise steigen wieder spürbar, institutionelle Investoren bleiben dagegen zurückhaltend, und ein Teil des Plus dürfte auf das Auslaufen der Grundbuchgebührenbefreiung Ende Juni zurückgehen. Für Maklerbüros lohnt es sich jetzt besonders, Abgeber aktiv anzusprechen, realistisch zu bewerten, Objekte vollständig zu dokumentieren und Anfragen rasch zu beantworten.
Häufige Fragen
Wie viele Immobilien wurden im ersten Halbjahr 2026 in Österreich verkauft?
Laut IMMOunited wurden rund 65.290 Immobilientransaktionen im Grundbuch verbüchert, nach 54.903 im ersten Halbjahr 2025. Andere Auswertungen kommen wegen unterschiedlicher Abgrenzung auf leicht abweichende Werte, zeigen aber ebenfalls ein Plus von rund einem Fünftel.
Warum war der Juni 2026 so stark?
Ein wahrscheinlicher Grund ist das Ende der befristeten Befreiung von der Grundbuch- und Pfandrechtseintragungsgebühr für Eigenheime. Begünstigt waren nur Anträge, die bis 30. Juni 2026 beim Grundbuchsgericht einlangten.
Steigen die Immobilienpreise wieder?
Ja. Statistik Austria meldet für das erste Halbjahr 2026 ein Plus von 3,9 Prozent, die OeNB für das zweite Quartal 2026 ein Plus von 3,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Entwicklung ist regional unterschiedlich, außerhalb Wiens stiegen die Preise zuletzt stärker.
Warum investieren große Investoren weniger?
CBRE nennt als Gründe unter anderem auseinanderliegende Rendite- und Preisvorstellungen bei Wohnobjekten, weniger Verkäufe durch offene Immobilienfonds und geopolitische Unsicherheit. Das Investmentvolumen lag im ersten Halbjahr 2026 bei rund einer Milliarde Euro.
Quellen der Preisindizes: Statistik Austria, Häuserpreisindex und OeNB, Wohnimmobilienpreisindex.